Der Mannheimer Mozartsommer führt auch 2012 international herausragende Künstler im Nationaltheater Mannheim und im besonderen Ambiente der Schwetzinger Schlossanlage zusammen, um neue Perspektiven auf Mozart und seine Zeit zu eröffnen. Mozart hat sich in verschiedenen Stadien seines kurzen Lebens mehrmals in der kurpfälzischen Residenz aufgehalten und hier entscheidende künstlerische Impulse erhalten, auch wenn ihm die ersehnte Anstellung am Hof des Kurfürsten Carl Theodor verwehrt blieb.
Das Spektrum der Festival-Produktionen reicht in diesem Jahr von Inszenierungen der Opern Mozarts und seines Lehrers Johann Christian Bach über Crossover-Projekte, hochkarätige Konzerte und Installationen bis zur Uraufführung eines zeitgenössischen Musiktheaters für Kinder und Jugendliche.
Begleitend zum Festivalprogramm bietet das Nationaltheater Mannheim erneut das Stipendiatenprogramm MozartPrisma für Studierende der verschiedenen Theater- und Musikberufe an. Unter Mitwirkung renommierter Künstler und Dozenten aus den Bereichen der szenisch-musikalischen Praxis, der Musik- und Theaterwissenschaft, des Kulturmanagements, der Komposition und des Journalismus wird ein prismatischer Blick auf Mozarts Schaffen geworfen, der die verschiedenen Facetten seiner Aktualität theoretisch und praktisch untersucht und auch Mozarts Verbindung zu Mannheim und der Mannheimer Schule beleuchtet.
Mozarts letzte Oper La clemenza di Tito ist als Auftragswerk für die Krönung Kaiser Leopolds II. in Prag 1791 ein verspäteter Rückgriff auf die bereits überwundene Form der opera seria und darin ein melancholischer Abgesang auf den Absolutismus, dem diese Form des »Fürstenspiegels« auf die entsprechenden Textvorlagen von Pietro Metastasio galt. Auch die Oper Temistocle, die sein Vorbild und Lehrer Johann Christian Bach 1772 im Auftrag des Kurfürsten für den Mannheimer Hof komponierte,
vertont einen Text Metastasios über die Bekehrung eines Herrschers zur Güte.
Der Regisseur der beiden Mannheimer Produktionen, Günter Krämer, hat sich immer wieder mit diesen Herrscherfiguren in der Oper des 18. Jahrhunderts auseinandergesetzt. Die Aufführung dieser beiden Werke von Lehrer und Schüler bietet eine Möglichkeit zum Vergleich etwa im Hinblick auf die aktuelle Bedeutung der von Ivan Nagel für Mozarts Bühnenwerke geprägten Kategorien von »Autonomie und Gnade«. Mozarts künstlerische Kraft, alte Formen weiterzuentwickeln und sich über Bestehendes hinwegzusetzen, fordert uns bis heute heraus, uns kreativ an Traditionen zu reiben und neue, individuelle Entwicklungen in Musik und Theater voranzutreiben.
In diesem Sinne bietet das Stipendiatenprogramm Studierenden die Möglichkeit, musikalische, inszenatorische, installative und grenzüberschreitende Ansätze im Umgang mit Mozarts Werk in der direkten Auseinandersetzung mit Künstlern, Theaterschaffenden und Dozenten kennenzulernen und zu diskutieren sowie eigene Fragen an die Aktualität Mozarts theoretisch und praktisch zu formulieren.
Interessierte Bewerber schicken bitte ein Anschreiben mit Motivation das ausgefüllte Bewerbungsformular einen Lebenslauf mit Foto an das:
Nationaltheater Mannheim
Operndramaturgie
Stipendiatenprogramm »MozartPrisma«
Mozartstraße 9
68161 Mannheim
Konzeption und Leitung:
Dr. Regine Elzenheimer
Mitarbeit: Anselm Dalferth
Informationen erteilt
Elena Garcia-Fernandez
Assistentin der Operndramaturgie
Elena.Garcia-Fernandez@mannheim.de
Tel. + 49 (0)621 1680 380
Bewerbungsschluss: 20. Mai 2012